Was ist der LL.M.?

Reputation

Inhaltliche Qualifikation

Arten des LLM Programmes

Taught LL.M. / By Coursework / By Research

General / Specialised

Full Time / Part Time / Distance

Zeitpunkt

Vor dem Ersten Examen

Nach dem Ersten Examen

Nach dem Zweiten Examen

 

Was ist der LL.M.?

Der Begriff „LL.M.“ - Master of Laws - ist ein postgradueller Titel, der zu den von Juristen am häufigsten gewählten Abschlüssen gehört. Andere Abkürzungen, wie M.C.L. (Master of Comparative Law) oder M.L.E. (Master in Law and Economics) sind ebenfalls vertreten und sagen grundsätzlich nichts über die Wertigkeit des Towerabsolvierten Programmes aus. Es handelt sich auch bei diesen Studiengängen um Postgraduierten-Studiengänge mit einem rechtswissenschaftlichen Schwerpunkt.[1]

Es gibt mittlerweile unzählige Angebote von LL.M.-Studiengängen, welches die Auswahl des richtigen Programmes erschwert. Die meisten Programme befinden sich in den angelsächsischen Ländern. Dort zieht es auch die meisten deutschsprachigen Juristen hin.

Reputation des LL.M.

Gerade in Großkanzleien ist der Titel weit verbreitet. Die Abkürzung LL.M. schmückt so einige Namen. Berufseinsteiger erhalten bis zu 10.000 € mehr im Jahr, wenn sie einen LL.M. vorweisen können.

Grundsätzlich ist ein abgeschlossenes Studium mit dem ersten oder sogar dem zweiten Staatsexamen für ein LL.M. Studium vollkommen ausreichend. Auch die Note muss nicht immer ein Hindernis sein. Law Schools mit Reputation setzen hingegen bestimmte Entry Requirements bzw. Bewerbungsvoraussetzungen. So haben die Colleges der University of London sogar unterschiedliche Entry Requirements. Während UCL und LSE mindestens ein Prädikatsexamen erwarten, erwartet das King’s College von ihren Kandidaten mindestens 8 Punkte. Kandidaten der Queen Mary’s College können teilweise bereits mit 7 Punkten an einem Studiengang teilnehmen.[2] Bei Entry Requirements darunter muss man selbstverständlich mit erheblichen Abstrichen bei der Reputation rechnen.

Die Entry Requirements hängen auch sehr stark von der Nachfrage und den Kursen ab.  So kann bei anspruchsvolleren Kursen (Law & Finance oder Law & Economics) die tatsächlichen Anforderungen nach oben hin abweichen.[3] Daher sind die Entry Requirements grundsätzlich ein sehr guter Indikator für die Reputation einer Universität. Doch stellen sie nicht den alleinigen Faktor dar.

Der Ruf einer Universität hingegen ist keine Garantie für ein gutes Programm. Der Bewerber sollte sich immer vor Augen halten, dass alle Postgraduierten Programme die rentabelsten Einnahmequellen der Universitäten darstellt. Der Anreiz besonders viele Bewerber zuzulassen, ist daher auch bei Universitäten mit besonders gutem Ruf gegeben. Auch der wissenschaftliche Ruf der Professoren, sagt nicht unbedingt etwas über das gewählte Programm aus. Es besteht keine Garantie, dass diese auch tatsächlich in dem Programm lehren.

Inhaltliche Qualifikation

Besonders der LL.M. aus einem englischsprachigen Land hat sich in den vergangenen Jahren als Qualitätsmerkmal eines international tätigen Rechtsanwalts geriert.[4] Wir treffen daher auch immer wieder auf Äußerungen, dass der LL.M.-Titel „lediglich“ ein Merkmal für verhandlungssicheres Englisch sei. Auf den Inhalt des Studiums wird oftmals keinen besonderen Wert gelegt.

Diese Ansicht mag durchaus noch vorherrschend sein. Bei der Fülle an angebotenen LL.M.-Programmen ist aber davon auszugehen, dass in Zukunft dem Inhalt des Programmes mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Viele Studenten haben bereits während des Studiums ausreichend Möglichkeiten zur Verbesserung der Sprachkenntnisse durch Erasmus und Moot Courts wahrgenommen.

Der Wert des LL.M. für den einzelnen Kandidaten liegt daher eher in den vertieften Einblick in ein Rechtsgebiet, welches ein gutes Programm bietet. Der persönliche Wert eines solchen Programmes kann daher für jeden ein anderer sein. Für die berufliche Weiterentwicklung kommt es auf die Qualität des Programmes an.[5]

Arten des LL.M. Programmes

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten den LL.M. zu erwerben. Für einige Programme muss man das eigene Wohnzimmer nicht einmal verlassen. Bei der Wahl des richtigen Programmes gilt es daher die folgenden Schritte zu beachten:

1. Art des Programmes

Viele Programme unterscheiden sich gravierend durch die Art des Unterrichts. Es gilt zwischen Taught-LL.M.; LL.M. by Coursework und dem LL.M. by Research zu unterscheiden.

Taught-LL.M.

Der Taught-LL.M. ist ein konventionelles Studium, das auf Vorlesungen basiert und je nach Universität durch Tutorien und weiteren Veranstaltungen ergänzt wird.[6] Der Kandidat ist grundsätzlich an die Vorgaben des Programmes gebunden. Die Bewertung findet hauptsächlich durch Exams statt. Nur die Abschlussarbeit – soweit vorgesehen – bietet dem Kandidaten die Möglichkeit ein Thema frei zu wählen und zu bearbeiten.

Vorteile:

  • Systematische Einführung in ein oder mehrere Rechtsgebiete
  • Unterstützung durch Tutorials und Lectures

Nachteile:

  • Starke Bindung an die angebotene Kurse
  • Keine wissenschaftliche Vertiefung

LL.M. by Coursework

Grundsätzlich wird dieser gleich dem Taught-LL.M. unterrichtet. Zusätzlich bietet diese Art die Möglichkeit einen eigenständigen Coursework bzw. Dissertation (Abschlussarbeit) zu erstellen, welcher in die Benotung mit einfließt. Wie weit der Coursework in die Benotung einfließt hängt ganz vom Programm ab. Daher sollte man sich zuvor die Aufschlüsselung der Benotung genau anschauen.

Die Bearbeitungszeit für die Dissertation ist ebenfalls zwischen den Programmen unterschiedlich. Grundsätzlich liegt die Bearbeitungszeit zwischen zwei und drei Monaten.

Vorteil:

  • Ermöglicht einen vertieften Einblick in ein bestimmtes Rechtsgebiet oder eine Problematik

 

LL.M. by Research

Dieser LL.M. wird durch die eigene wissenschaftliche Arbeit geprägt. Im Gegensatz zum Taught-LL.M. wird dieser durch unabhängige Forschung des Studenten erworben. Grundsätzlich wird dem Studenten ein Tutor zugewiesen, welcher ihn bis zum Abschluss der Arbeit begleitet.

Parallel werden dem Studenten Veranstaltungen und Tutoren angeboten, um den Studenten in dem jeweiligen Fachbereich zu unterstützen. Die Anfertigung der Masterarbeit bleibt allerdings dem Studenten allein überlassen.

Oftmals wird der LL.M. by Research in Kombination mit einem Taught-LL.M. angeboten.

Vorteile:

  • Freie Wahl des Forschungsthemas
  • Individuelles Arbeiten
  • Kombinationsmöglichkeiten mit einer Promotion

Nachteile:

  • Erhöhter Bewerbungsaufwand: Oftmals fordert die Universität schon bei der Bewerbung ein Forschungsthema des Studenten. Besonderes Augenmerk sollte daher auf das Forschungsangebot der Universität fallen.[7]

 2. Inhalt

Im Grunde bietet jede Universität den Taugh-LL.M. in zwei unterschiedlichen inhaltlichen Ausrichtungen an. Zum einen den General LL.M., welcher dem Kandidaten die Möglichkeit bietet zwischen den angebotenen Kursen eine bestimmte Anzahl frei zu wählen. Der Kandidat wählt die Kurse, die ihn am meisten interessieren oder für spätere berufliche Karriere weiter bringen. Der Kandidat erwirbt dann einen LL.M.

Zusätzlich werden specialised LL.M. Programme angeboten. Diese Programme führen zu einem LL.M. mit Spezialisierung in einem bestimmten Rechtsgebiet.

Beispiele: LL.M. in European Union Law, LL.M. in Commercial Law, LL.M. in Competition Law, etc.[8]

Besonders im Kampf gegen eine Degradierung des LL.M. als Sprachnachweis, hat der Specialised LL.M. Bedeutung. Er bestätigt, dass der Kandidat sich in einem Rechtsgebiet vertiefende Kenntnisse angeeignet hat.

Dennoch ist die Spezialisierung kein Garant für ein umfängliches und lückenloses Master-Studium. Es sollte daher zusätzlich auf den Inhalt und die umfassten Module geachtet werden. Vergleiche zwischen den Universitäten und den angebotenen Module sind daher besonders wichtig. Es kann durchaus vorkommen, dass manche Module nicht jedes Jahr angeboten werden. Dies führt oftmals auch dazu, dass eine Spezialisierung für ein Jahr wegfällt.

Bemerkung: Die getroffene Entscheidung ist nicht endgültig! Grundsätzlich bewirbt sich der Kandidat für den LL.M. Studiengang. Er hat dann im Anschluss noch die Möglichkeit die Spezialisierung zu ändern oder gar auf den General LL.M. zurückzugreifen.

Tipp: Es empfiehlt sich daher, vor Antritt des Studiums zu klären, ob alle notwendigen Kurse für eine Spezialisierung angeboten werden. Am besten ist es, dem verantwortlichen Professor des Kurses eine Email zu schreiben. Im Angelsächsischen Lehrbetrieb werden – oftmals im Gegensatz zum Deutschen Lehrbetrieb – Emails schnell und unkompliziert beantwortet.

Alle Programme in UK findest Du bei uns. Wir können leider keine Aktualität garantieren. Ein guten Service mit allen aktuell angebotenen LL.M. Programme findest Du hier: http://aglawcom.org/linkverzeichnis?category=24

3.  Vollzeit-, Teilzeit oder Fernstudium

Die Programme unterscheiden sich erheblich in den angebotenen Studienvarianten: Full Time – Part Time – Distance Learning

Full Time

Das Vollzeitstudium überzeugt vor allem durch die Kürze und die Vorteile des Campus einer Universität. Vor allem Kandidaten, für die der LL.M. der erste Auslandsaufenthalt oder Aufenthalt im englischsprachigen Raum ist, sind mit einem Full Time Studium wohl besser bedient. Grundsätzlich dauert es gute sechs Monate bis man sich völlig in eine andere Sprache ein gedacht hat. Auf Grund der juristischen Begrifflichkeiten ist ein Vollzeitstudium daher von Vorteil.

Allerdings stehen diesen Vorzügen höhere Studiengebühren und oftmals auch höhere Lebenshaltungskosten gegenüber.

Dennoch sind gerade Erfahrungen, die durch Bruch für 12 Monate mit dem deutschen Recht und dem Heimatland entsteht, gerade das, was ein Auslandsaufenthalt gerade ausmacht.

Part Time

Ein Teilzeitstudium ermöglicht die Teilnahme an einem weniger intensiven LL.M. Programm. Diese Form des Studiums eignet sich besonders für Kandidaten, die nebenher noch einen Beruf ausüben möchten oder an der eigenen Promotion arbeiten.

Dafür muss man natürlich eine längere Studienzeit in Kauf nehmen. Die Kosten zwischen beiden Varianten ändern sich für gewöhnlich nicht.

 

Distance Learning

Einen erheblichen Kostenunterschied besteht zwischen den „Vor-Ort“ Programmen und dem Distance Learning. Letzteres ist erheblich günstiger und der erhaltene Abschluss steht dem On Campus Abschluss um nichts nach. Zuweilen alle Kandidaten die gleichen Examensaufgaben und das oft zur gleichen Zeit zu lösen haben.

Mehr zu den Vorteilen des Distance Learning findest Du auf unseren Seiten: UoL Distance Learning

 

Zeitpunkt

Es besteht die Möglichkeit einen LL.M. vor dem Ersten Staatsexamen, nach dem Ersten Staatsexamen oder nach dem Zweiten Staatsexamen zu absolvieren.

Vor dem Ersten Staatsexamen

Hierbei handelt es sich sicherlich um die Ausnahme. Es gibt zwar Undergraduate Kurse, die zum einen zum Staatsexamen und zum anderen zu einem LL.M. oder einem anderen Master führen. Bei solchen integralen Studiengängen handelt es sich nicht um die Regel. Auch die befreundeten Kurse der Anglo-German Law Society e.V. führen meist entweder zum Staatsexamen oder zu einem Master.

Dennoch gibt es zwei Möglichkeiten einen LL.M. vor dem ersten Staatsexamen zu absolvieren. Der LL.M. ist kein Aufbaustudium, welcher sich mit einem deutschen Diplom vergleichen lässt. Ein LL.M. ist daher nicht an ein vorheriges Studium der Rechtswissenschaften gebunden. Universitäten bieten auch Studenten anderer Fachrichtung die Möglichkeit eines LL.M. Studiums. Grundsätzlich benötigt man lediglich einen Bachelor. Sollte man also einen Bachelor in einem früheren Studium erworben haben, so steht der Weg zu einem LL.M. offen.

Eine andere Möglichkeit besteht mittlerweile immer häufiger durch die Anpassung an den Bologna Prozess. Immer mehr deutsche Universitäten überreichen den Studierenden nach erfolgreichem Anschluss der universitären Ausbildung einen LL.B. (Bachelor of Laws). Mit diesem steht den Kandidaten der Weg zu einem LL.M. in gleicher Maßen offen.  

Diese Variante wird in Zukunft wohl immer mehr Studenten offen stehen.

Sollte die eigene Universität noch keinen LL.B. anbieten, so sollten Interessenten den Verantwortlichen eines LL.M. Programmes bezüglich den Voraussetzungen eines vergleichbaren Abschlusses kontaktieren. Die meisten Universitäten wissen über die Situation und die Ausbildungsstruktur in Deutschland bescheid, sodass oftmals der Schwerpunkt ausreichen kann.

 

Nach dem Ersten Staatsexamen

Ein LL.M. Studium nach dem ersten Staatsexamen ist die häufigste Alternative. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass in vielen Bundesländern es zu einer Wartezeit von bis zu einem Jahr auf einen Referendariatsplatz kommt.

Viele Studenten fühlen sich im Hinblick auf ein LL.M. Studium im Anschluss an das Erste Staatsexamen unsicher, weil sich der Erfolg im Ersten Examen schwer abschätzen lässt und sie sich die Option des Wiederholungsversuchs offenhalten möchten.[9]

Doch diese Befürchtungen stehen nur selten einer Bewerbung entgegen. Die meisten Universitäten bieten die Möglichkeit den Studienbeginn in einem solchen Fall um ein Jahr zu verschieben (Deferred Entry).

Achtung: Diese Möglichkeit besteht nicht immer! Besonders Universitäten auf dem europäischen Festland verlangen die Gebühren bereits vorab, sodass bei Nichtantreten lediglich ein Teil der Gebühren erstattet wird.

Es gilt daher die angebotenen Möglichkeiten genau zu studieren.

Um Wartezeiten zu vermeiden empfiehlt es sich bereits während der Vorbereitung auf das schriftliche Examen die Bewerbungen zu versenden. Für die Bewerbung reichen die bis dahin erworbenen Qualifikationen aus. Die meisten Universitäten vergeben dann ein Conditional Offer. Das Masterstudium hängt dann vom Erreichen einer bestimmten Punktzahl ab.

In Ausnahmefällen vergeben Universitäten auch ein Unconditional Offer aufgrund der bereits erbrachten Leistungen.

 

Nach dem Zweiten Examen

Dies bietet sich besonders für Studenten an, die aufgrund ihrer Leistungen keine Wartezeit zu absolvieren brauchen und direkt mit dem Referendariat beginnen können. Die frischen Kenntnisse des materiellen Rechts erleichtern den Einstieg ins Referendariat.

Einem LL.M.-Studium nach dem zweiten Examen steht grundsätzlich nichts im Wege, da die Noten des ersten Examens für die Bewerbung bereits ausreichend sind.

Sollte hingegen mit dem Gedanken gespielt werden die Anwaltszulassung für ein weiteres Land zu erlangen,  so sollte besonders auf den Inhalt des Master-Studiums und das Land geachtet werden. Es werden Programme angeboten, die einen Transferring Course – wie den QLTS – beinhalten.

Ferner empfiehlt es sich einen LL.M. mit Einblick in das nationale Recht des Landes zu wählen, da dies den Einstieg in die Vorbereitung auf einen Transferring Test erleichtert. Manche Programme führen sogar zum Erwerb eines Qualifying Law Degrees.[10]

 

 

 



[1] Erwin, Jus 2011, S. 1041 f.

[2] Dabei handelt es sich um Erfahrungswerte. Es kann daher keine Gewähr übernommen werden.

[3] Abweichungen kann es auch nach unten hin geben. So erwartet die LSE von ihren Kandidaten des Kurses M.S.c. Law & Accounting ein Upper Second Class Honour während für den LL.M. ein First Class Honour erwartet wird.

[4] Auch der Rechtsanwalt ist heutzutage international einsetzbar. Besonders durch die Morgenbesser-Entscheidung des EuGH wurde dies ermöglicht. Siehe dazu unser Linkverzeichnis und das Careers Centre

[5] Voigt, Der LL.M., S. 17

[6] Voigt, Der LL.M.,S. 28

[7] Das EUI verlangt bereits bei der Bewerbung eine ausformulierte Beschreibung über das eigene Forschungsthema.

[8] siehe unsere Seite Welche Programme gibt es?

[9] Voigt, Der LL.M., S. 39

[10] LL.M. Qualifying Law Degree (Birbeck University) http://www.bbk.ac.uk/study/pg/law/TMLLAWSS.html